Maler und Menschenfreund

Manfred Wenzel feiert heute 80. Geburtstag. Als Lehrer hat er Generationen von Wittenbergern geprägt. Seine Bilder sind eine Chronik der Stadtentwicklung.
... Wenn jemand auf 80 Lebensjahre zurükblickt und fast 70 davon mit Stift und Pinsel in der Hand verbracht hat, sammelt sich so einiges an. Wer das Atelier
von Manfred Wenzel betritt, bekommt eine Ahnung von der Energie und Produktivität des Jubilars. Seine Werke hängen an den Wänden, drängen sich auf und
unter der Staffelei, sind in Regalen gestapelt, in Mappen geordnet. "Anfänge" steht auf einer. Enthalten sind die frühesten Zeugnisse der Kreativität, darunter ein
Stillleben in Öl, gemalt vom elfjährigen Manfred. Kartoffeln hat er darauf festgehalten, Mohrrüben und Blumenkohl, all das, was wichtig war 1945 nach Kriegs-
ende. Manfred Wenzel wurde in Schönlinde im Sudetenland geboren, als Flüchtling, den es mit seiner Familie 1946 nach Wittenberg verschlug, der hier eine
Familie gründete, lernte und lehrte, lebte und arbeitete, die Stadt und nicht wenige ihrer Einwohner prägte: Mit seinen Bildern und Zeichnungen, die über die
Jahrzente betrachtet eine Chronik der Lutherstadt sowie der sich umgebenden Natur bilden. Ein Schatz der Erinnerung, mit Farbe und Pinsel notiert, zugleich eine
Landkarte der Veränderung. Mit nie nachlassender Leidenschaft hat der Mann, der sich selbst einmal als „Teilzeitmaler“ bezeichnete, Details notiert und dadurch
das große Ganze in den Blickwinkel gerückt ... Den Maler Wenzel und sein Wirken in Wittenberg kann nur verstehen, wer auch den Lehrer Wenzel kennt.
Als Kunstlehrer hat er Generationen von Schülern geprägt, seine Leidenschaft für Kunst über alle Genres, Epochen und über Ideologien hinweg weitergegeben.
Nicht wenige sagen heute von sich, Wenzel habe ihren Lebens- und Berufsweg entscheidend geprägt. "Ja Ja" bekennt der Gelobte in einer Mischung aus Freude
und Abwehr, "ein paar Schüler habe ich schon in den Beruf gebracht". Nicht zuletzt seine eigenen Kinder (fünf an der Zahl) legen Zeugnis von der Weitergabe
der künstlerischen Ader ab. Hans–Eckardt Wenzel hat sich als Musiker einen Namen gemacht, Tochter Claudia Wenzel als Schauspielerin. Für sich allein nimmt
Manfrd Wenzel die Urheberschaft für diesen Erfolg nicht in Anspruch. Seine Mutter sei schon als Schauspielerin und Sängerin aufgetreten, sein älterer Bruder
Karlheinz habe die Malerei zu seinem Beruf gemacht und nicht zuletzt seine Frau habe einen wichtigen Beitrag zum Gedeihen des Nachwuchses geleistet.
Mehr als 50 Jahre waren Manfred und Nelly Wenzel verheiratet ...

                                                                    Mitteldeutsche Zeitung, August 2014